Methodik der Vergabestatistik: Fragen & Antworten
Diese Statistiken sind eine eigene Auswertung von Ready Tender auf Basis öffentlich zugänglicher Vergabedaten, nicht die amtliche Vergabestatistik des Statistischen Bundesamts (Destatis). Die folgenden Fragen und Antworten legen Datengrundlage, Berechnung und Grenzen transparent offen.
Woher stammen die Daten der Vergabestatistik?
Grundlage sind öffentliche Ausschreibungen, die wir laufend von deutschen Vergabeportalen und aus offenen Datenquellen erfassen. Die Auswertung deckt einen wesentlichen Teil der in Deutschland veröffentlichten Bekanntmachungen ab, erhebt aber keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Kennzahlen mit geringer Datenbasis werden mit ihrem Nenner ausgewiesen oder unterdrückt.
Welchem Zeitraum wird eine Ausschreibung zugeordnet?
Eine Ausschreibung zählt zu dem Monat, in dem wir sie erfasst haben (Erfassungs- bzw. Scrape-Datum; ersatzweise das Veröffentlichungsdatum). Da eine Ausschreibung nach Monatsende nicht mehr in diesen Monat wandern kann, ist der Bestand eines Monats mit Monatsende vollständig. Monatsberichte werden deshalb nach Monatsende eingefroren und danach nicht mehr verändert. Der Jahresbericht ist unterjährig eine laufende Auswertung (Jahr bis zum Stichtag) und wird zum Jahresende final.
Wie wird der 12-Monats-Trend berechnet?
Der Verlauf zeigt die Zahl der Ausschreibungen je Monat. Ein Monatsbericht stellt die gleitenden letzten zwölf Monate dar, ein Jahresbericht die zwölf Kalendermonate des Jahres. Jede Ausschreibung wird im Monat ihrer Erfassung gezählt, sodass die Summe der Monatswerte eines Jahres der Jahresgesamtzahl entspricht.
Wie werden Auftragswerte ausgewertet und hochgerechnet?
Ein Auftragswert ist nur bei einem Teil der Ausschreibungen angegeben. Als primäre Kennzahl berichten wir Median und Quantile ausschließlich über die Ausschreibungen mit angegebenem Wert. Das ausgewiesene Gesamtvolumen ist eine nachrichtliche Hochrechnung (Durchschnittswert je Sektor, hochgerechnet auf die Gesamtzahl) und ausdrücklich eine Schätzung, keine amtliche Zahl.
Was bedeutet die Anzeige „Datengrundlage“ (verfügbar vs. fehlend)?
Viele Merkmale sind nicht bei jeder Ausschreibung angegeben. Für solche Kennzahlen zeigt ein Balken „Datengrundlage“ an, bei wie vielen Ausschreibungen das Merkmal tatsächlich vorliegt (verfügbar) und bei wie vielen es fehlt. So ist auf einen Blick erkennbar, auf welcher Basis und mit welcher Belastbarkeit eine Kennzahl beruht.
Wie kennzeichnen wir Schätzungen, Näherungen und Indikatoren?
Kennzahlen, die nicht direkt gemessen, sondern abgeleitet sind, tragen eine Markierung: „Schätzung“ steht für einen hochgerechneten Wert (z. B. das Gesamtvolumen), „Näherung“ für eine aus Hilfsmerkmalen abgeleitete Größe (z. B. das Bundesland aus der Postleitzahl) und „Indikator“ für ein schlagwortbasiert erkanntes Merkmal (z. B. Rahmenvereinbarungen). Jede Markierung nennt den Grund direkt daneben.
Wie ordnen wir eine Ausschreibung einem Bundesland zu?
Die Bundesland-Verteilung ist eine Näherung anhand des Auftraggeber-Sitzes (Postleitzahl), nicht des tatsächlichen Erfüllungsorts. Einzelne PLZ-Regionen überschreiten Ländergrenzen; Randbereiche können daher dem Nachbarland zugeordnet sein. Nicht zuordenbare Postleitzahlen werden gesondert ausgewiesen.
Wie messen wir Angebotsfristen und den Preisdruck?
Die Angebotsfrist ist die Zeitspanne zwischen Veröffentlichung und Abgabefrist, berichtet als Median und Quantile über die Ausschreibungen mit Fristangabe. Der Preisdruck-Index ist der Anteil der Verfahren, bei denen der Preis mit mindestens 50 % in die Zuschlagswertung eingeht, ausgewertet über die Ausschreibungen, bei denen eine Gewichtung erkennbar ist.
Wie entsteht die Text-Zusammenfassung, und kann sie Zahlen erfinden?
Nein. Die Zusammenfassung wird nach einem Verfahren erzeugt, das eine Erfindung von Zahlen strukturell ausschließt: Jede Zahl und jeder Name wird von uns als fester, geprüfter Wert vorgegeben; ein Sprachmodell formuliert ausschließlich den verbindenden Text darum herum. Ein automatischer Prüfschritt weist jeden Entwurf zurück, der eine eigenständige Ziffer, Prozent- oder Euro-Angabe enthält. Schlägt die Prüfung fehl, greift eine regelbasierte Zusammenfassung. Jede genannte Zahl stammt damit aus den geprüften Kennzahlen derselben Seite.
Wie vermeiden wir Doppelzählungen?
Mehrfach erfasste Bekanntmachungen derselben Ausschreibung werden vor der Aggregation über ihre eindeutige Portal-Kennung zusammengeführt, damit dieselbe Ausschreibung nur einmal zählt.
Wie gehen wir mit fehlenden Werten um?
Nicht angegebene Werte fließen in keine Durchschnitts- oder Verteilungsrechnung ein. Für dünn besetzte Kennzahlen weisen wir den Nenner aus (siehe „Datengrundlage“) und unterdrücken Werte unterhalb einer Mindeststichprobe, statt eine scheinbar präzise Zahl auf zu wenigen Fällen zu berichten.
Wie schützen wir sensible Daten (k-Anonymität)?
Wir veröffentlichen ausschließlich Aggregate (Bundesland, Sektor, Monat, Organisation) und keine personenbezogenen Kontaktdaten. Ranglisten wie die Top-Auftraggeber blenden Zellen mit sehr wenigen Ausschreibungen aus (k-Anonymität). Als vertraulich gekennzeichnete Ausschreibungen fließen nicht ein.
Wie aktuell sind die Zahlen und wann ändert sich das Datum?
Das Veröffentlichungsdatum eines Berichts bleibt fest, das Änderungsdatum (lastmod) wird nur dann fortgeschrieben, wenn sich die zugrunde liegenden Zahlen tatsächlich geändert haben, nicht bei jedem Generierungslauf. So bleibt das Datum ein ehrliches Signal für echte Aktualisierungen.
Wie unterscheidet sich das von der amtlichen Statistik (Destatis)?
| Merkmal | Ready Tender | Amtliche Vergabestatistik (Destatis) |
|---|---|---|
| Kadenz | monatlich | vierteljährlich / jährlich |
| Aktualität | wenige Tage nach Monatsende | mehrere Monate Verzug |
| CPV-/Sektor-Detail | ja | begrenzt |
| Benannte Auftraggeber | ja (aggregiert, k-anonymisiert) | nein |
| Rechtscharakter | eigene Auswertung, Schätzungen möglich | amtlich |